Montag, September 17. 2007
Mein Eindruck vom Salsa-Festival Berlin
Etwas erstaunt angeschaut wurden wir schon, als wir am Freitag Abend unseren Day Pass für die Workshops am Sonntag abholen kamen, ratlose Gesichter bekamen wir zu sehen als wir fragten ob wir uns damit auch die Vorstellung der Lehrer und das Jack & Jill bei der Party am Abend ansehen dürften. Sehr hilfsbereit lief gleich jemand los, fragte beim Veranstalter nach, und wir bekamen die Bestätigung: Im Day Pass ist der Eintritt für alle Parties enthalten.
Also kamen wir am Abend ganz gemütlich in Soda Palais, gemütlichen Räumlichkeiten über zwei Etagen mit DJs und Showbühne. Von oben hatten wir einen guten Blick über die Tanzfläche und die Bühne, es wurde reichlich und gut getanzt. Vor Beginn der Shows wurde noch einmal darauf hingewiesen das Video-Aufnahmen verboten sind, sehr zu meiner Freude nachdem wir in Hamburg statt Shows nur hochgereckte kamerahaltende Arme gesehen hatten. Zusätzlich hat der Ansager die Leute vor der Bühne sogar dazu gebracht sich hinzusetzen damit die hinteren besser sehen konnten - in Hamburg hatte man öfter versucht die Leute an der Bühne dazu zu bringen ein paar Schritte zurück zu gehen, was überhaupt nicht funktioniert hatte, da war es sehr angenehm zu sehen wie einfach es gehen kann.
Da ich lieber Leuten beim Tanzen zusehe fand ich die Shows weniger interessant als die anschliessende kurze Vorstellung der Lehrer und vor allem das Jack & Jill-Turnier, wo Paare unter den Trainern ausgelost wurden die zusammen tanzten. Es war interessant zu sehen welche Lehrer wie tanzten wenn sie mit einem Mal einen zufälligen Tanzpartner haben, wie gut sie sich an die Musik anpassten. Gewonnen hat jeweils das Paar mit dem lautesten Applaus, vom Gefühl her lag die Lautstärke vom Applaus aber eher daran wie beliebt ein Lehrer (oder gar beide) waren als davon wie gut und interessant wirklich getanzt wurde.
Die Musik war mir, wie immer auf solchen Veranstaltungen, zu laut, selbst mit Alpine Musicsafe im Ohr. Da meine maßgeschneiderten Ohrstöpsel leider noch nicht fertig waren bin ich probehalber mal auf Ohropax gewechselt, was den Geräuschpegel sehr effektiv reduzierte so dass ich nicht die ganze Nacht pfeifende Ohren hatte, doch die hielten nicht so richtig gut in den Ohren. Vielleicht hätte ich sie auch besser formen können, aber für die nächste Party habe ich hoffentlich richtigen Gehörschutz.
Dennoch bleibe ich dabei, die Musik war zu laut und zu basslastig. Birgit hat dem DJ mal erzählt dass die Musik dröhnt und nicht klingt, daraufhin war es dann ein paar Minuten besser bevor die Bässe wieder übertrieben aufgedreht wurden. Ich bin ja dafür dass man das DJ-Pult vor die Boxen baut und nicht dahinter, damit der DJ selber seine Lautstärke auch ertragen muss. Entsprechend sind wir nach dem Jack&Jill gegangen und haben die anderen Parties gar nicht erst besucht.
Sonntag sind wir dann wieder aufgetaucht um Workshops zu besuchen. Der erste Workshop wurde durch Paul Baarns vertreten da der eigentliche Lehrer wohl nicht gekommen war. Paul baute eine nette Folge auf, erklärte gut, wiederholte oft zu Musik in vernünftiger Geschwindigkeit. Da zu viele Männer anwesend waren hat er versucht Partner-Rotation einzuführen, was aber nicht so besonders gut klappte, der Raum war nicht groß genug dass sich wirklich alle im Kreis aufstellen konnten, so war beim Wechsel unklar wo die Dame nun hin sollte. Wir haben eine zeitlang mitgemacht, doch da die Herren ohne Dame sich sehr gierig auf die freiwerdenden Damen stürzten und ich wenig Lust hatte nach Fremden Damen zu grabschen stand ich öfter ohne Dame da, und dafür dass ich ja nun mit Tanzpartnerin gekommen war, hatte ich keine Lust die fehlenden Tanzpartnerinnen der anderen Herren auf meine Kosten auszubügeln.
Den zweiten Workshop haben wir bei Eric Lalta gemacht, ein netter kleiner quirliger Lehrer. Seine Folge war interessant, sein Aufbau wäre ok, doch leider war sein Zählen und seine Musik zum üben viel zu schnell so das ich kaum eine Chance hatte die Führung richtig umzusetzen und zu verinnerlichen. Ich muss eine Folge erstmal langsam üben damit ich dann schneller werden kann, wenn ich gleich rasend schnell übe lerne ich die Führung einfach nicht sauber und die ganze Folge samt Dame leidet dann drunter. Dazu war einiges von dem was Eric zeigte nicht führbar, bzw. liess die Dame in Positionen wo sie dann frei stand und tun und lassen konnte was sie wollte. Leider war es bei diesem Workshop ziemlich voll, die Räumlichkeiten wirkten durch viele Säulen zwar gemütlich, waren aber für einen Workshop nur begrenzt gut geeignet.
In der Mittagspause saßen wir gemütlich in der Sonne, das Gelände in und um die Kulturbrauerei ist eine richtig nette Oase in Berlin. Nachdem Intermediate bei Eric ein wenig stressig war konnten wir uns nicht so recht zu dem Advanced Workshop bei Neeraj aufraffen, stattdessen ging Birgit zum Lady Styling bei Susana Montero, ich genoß derweil die Sonne, schaute kurz bei Neeraj Maskara rein, der vom Gefühl her ruhiger aufbaute und vor allem zu ruhigerer Musik übte als Eric. Wie komplex und schwierig seine Folge war kann ich nicht sagen, dafür habe ich nicht lange genug zugeschaut.
Als letzter Workshop kam Intermediate/Advanced Partner Work bei Super Mario zu dem wir auf jeden Fall gehen wollten. Vermutlich haben wir zu viel Erwartet, denn so richtig zufriedenstellend war der Workshop nicht. Mario liess die Folgen zu schnell üben, ich hatte nicht die Zeit die Führung sauber zu lernen, insgesamt wirkte alles dadurch hektisch. Diesmal fiel mir auch seine Art immer auf die Fehler hinzuweisen negativ auf, er beschrieb was man nicht tun sollte, und wies dann darauf hin das man es auf jeden Fall tun wird, ein paar mal wirkte das noch witzig, aber ständig erzählt zu bekommen das man alles falsch machen wird finde ich auf Dauer nicht besonders aufbauend, vor allem mit zu hektischem Tempo und wenig Platz gekoppelt. Das führte dann auch dazu das ich in dem Versuch in Marios Tempo mitzukommen einmal mit meinem Ellenbogen eine Dame am Musikknochen traf, und ihr Herr mich ziemlich genervt anfuhr - zu recht, aber er wirkte ziemlich genervt, ich vermute die Umstände mit dem wenigen Platz und der Hektik rundherum haben auch bei ihm Wirkung gezeigt. Jemand anders knuffte mich auch mal sehr unsanft in den Rücken weil sie nichts sehen konnte, normalerweise kenne ich solche Hinweise auch etwas sanfter. Insgesamt war es einer der weniger erfreulichen Workshops, was schade ist.
Nach den Workshops waren wir beim Inder um die Ecke was essen, dort fanden sich etliche Salsa Tänzer wieder, auf dem Gehweg übte ein Paar Folgen aus den Workshops, an den Tischen wurde kommentiert 'das ist von Tito & Tamara', 'Nein, von Hatche & Matche', 'die Folge ist vom ersten Workshop Samstag', 'Sieht gut aus'. Die Tänzerin, Veronica aus Norwegen, lud uns nach Norwegen zum Tromsoe-Festival ein, das, soweit ich es verstanden habe, sie mit organisiert, und das dieses Jahr zum ersten Mal stattfindet. Es war super Stimmung, wurde viel gelacht, gescherzt und sich ausgetauscht, ein sehr schöner Abschluss für den Tag.
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